Mülheim an der Ruhr „Viel ländlicher als Duisburg-Mündelheim geht es nicht. Felder, Wiesen, Äcker, Bauern, Höfe: Land. Auch wenn Containerstapel den nördlichen Horizont beherrschen.“ Dort liegt die Behinderteneinrichtung für betreutes Wohnen, in die es den Mülheimer Privatdetektiv Kryszinski als Nachtwächter verschlagen hat. Mit „Freakshow“, dem zehnten Band seiner Krimireihe, hat Jörg Juretzka einen überaus beeindruckenden Duisburg-Roman vorgelegt. Er ist ein Höhepunkt der Kryszinski-Krimis. Manches ist detailgenau und faktenreich beschrieben, manches ist märchenhaft übertrieben wie bei einem Schimanski-Film. „Juretzka lässt seinen Helden die Story selber erzählen, die Sprache ist direkt und plastisch, mit einem Zug ins Derbe“, kritisiert die Zeit. Das Buch liest sich schnell, man fühlt sich getrieben wie der atem- und schlaflos durch das westliche Ruhrgebiet hetzende Protagonist. 1998 ist das erste Kryszinski-Buch – Prickel – erschienen, der eigentlich zuvor geschriebene Band Sense erst zwei Jahre später. „Der Willy ist weg“ wirkt noch älter. Dieser Roman ist ein Rückblick in die achtziger Jahre. Während „Bis zum Hals“, „Freakshow“ und „Taxibar“ brillante Ruhrgebietskrimi sind, lässt Kryszinski in anderen Büchern Duisburgs Nachbarstadt Mülheim weit hinter sich. Es treibt ihn in die Alpen („Fallera“), er arbeitet auf einem Kreuzfahrtschiff („Equinox“), ermittelt in Südspanien („Alles total groovie hier“) oder träumt gar eine Wild-West-Story („Wanted“). Jörg Juretzka | Rotbuch | Aufbau | Ullstein | Unionsverlag 1.
Von |